Projekte

Lawh Wa Qalam: M. F. Husain Museum - Doha (Qatar)

Wenn Architektur aus einem Kunstwerk entsteht

Aus einer Skizze von M. F. Husain entwickelt Martand Khosla den Entwurf für ein Museum in Doha. Ein Gebäude, in dem das Keramikmosaik Teil der architektonischen Formensprache wird und Erinnerung, indische regionale Identität und Materialforschung miteinander verbindet
Von Francesca Gugliotta

2008 zeichnete Maqbool Fida Husain, ein Künstler, der als „Picasso Indiens“ gilt, ein blaues Gebäude. Aus dieser Zeichnung sollte später das Lawh Wa Qalam in Doha, Katar, entstehen – das weltweit größte Museum, das dem Meister der indischen Moderne gewidmet ist. Martand Khosla überführte diese künstlerische Geste in Architektur. Er erklärt: „Husains Skizze ist keine herkömmliche Ausführungszeichnung. Sie ist ein Kunstwerk und kann als solches auf mehreren Ebenen gelesen werden: auf einer wörtlichen, einer symbolischen und einer philosophischen. Sie gibt uns Hinweise auf die Form und die Fassade des Gebäudes sowie eine Reihe kultureller und historischer Bezüge, ist aber weder an einen bestimmten Standort noch an einen festgelegten Maßstab gebunden. Ich glaube, Husain wollte eher eine Idee für ein Museum vermitteln als einen vollständig ausgearbeiteten architektonischen Entwurf“.

Für Khosla, der sowohl Architekt als auch Bildhauer ist, war dies eine völlig neue Erfahrung: „Das Museum geht aus einem Kunstwerk hervor – eine Situation, mit der ich zuvor noch nie konfrontiert war. Der Entwurfsprozess entwickelte sich zu einem imaginären Dialog mit Husain. Anstatt seine Gemälde zu übersetzen, setzte ich mich mit der Skizze auseinander und ließ diesen Dialog die architektonische Formensprache prägen“.

Das Museum befindet sich in Education City, dem Campus für Kultur, Bildung und Forschung. „Ich betrachte das Museum auf zwei unterschiedlichen Maßstabsebenen. Die erste ist die des Künstlers: Das Gebäude sollte nicht nur die Sammlung Husains beherbergen, sondern auch ein Ort sein, der das Verständnis für sein Leben und Werk fördert. Deshalb umfasst das Projekt eine Bibliothek, Ausstellungsgalerien sowie Räume für Begegnungen und Veranstaltungen. Die zweite Ebene ist die des Stadtraums: Das Museum sollte nicht einfach nur ein Behälter für Kunstwerke sein, sondern als Impulsgeber für den Dialog und als Ort des Lernens wirken. Das Gebäude erhebt sich auf einer erhöhten Plattform, fast wie auf einer Bühne, auf der sich der Austausch zwischen dem Museum, Education City und der Gemeinschaft entfaltet“.

Eine Abfolge geometrischer Baukörper, verkleidet mit einem Mosaik aus glasierten Keramikelementen, prägt das Erscheinungsbild des Museums, das sich mit den wechselnden Lichtverhältnissen ständig verändert. Die Fassade erinnert an Gaudís Trencadís-Technik. „Auch wenn dieser Vergleich eine mögliche Interpretation darstellt“, betont der Architekt, „ist es wichtig, daran zu erinnern, dass Oberflächen aus Fliesenfragmenten auf dem indischen Subkontinent eine lange Tradition haben. Sie wurden auf Terrassen eingesetzt, um die Wärmeaufnahme zu reduzieren, und finden sich auch im Rock Garden, dem Skulpturenpark in Chandigarh, sowie in der unterirdischen Kunstgalerie Hussain-Doshi Gufa in Ahmedabad“. Er fügt hinzu: „Die Skizze nimmt keinen unmittelbaren Bezug auf Fliesen. Sie legt vielmehr die Vorstellung eines blauen Baukörpers nahe, und das veranlasste uns, über die architektonischen Traditionen Asiens und das Konzept regionaler Identität in der Architektur nachzudenken. Die Keramik“, so Khosla, „ist hier nicht lediglich als Oberflächenverkleidung zu verstehen. Sie ist integraler Bestandteil der Architektur und prägt die Wahrnehmung des Museums: als etwas, das aus einem Kunstwerk hervorgeht, und nicht als ein Gebäude, das dieses lediglich beherbergt“.

Das Mosaik erforderte eine eingehende Untersuchung von Farben, Oberflächen, Formaten und Verlegetechniken, die von Studio Doc in enger Zusammenarbeit mit dem Partnerunternehmen Highrise Co. in Katar entwickelt wurde. „Besonderes Augenmerk galt dem Bruchbild der Keramikstücke und den Fugen zwischen ihnen, wobei die Verfugung selbst zum Ornament wird. Hinzu kommen Dekore, die nach den Vorgaben des Auftraggebers entworfen und im Drittbrand ausgeführt wurden“, erklärt das Keramikunternehmen mit Sitz in Ubersetto di Fiorano. „Wir haben zwei Farbpaletten entwickelt“, fährt der Architekt fort: „eine für das blaue Haus – die Farbe, die durch die Skizze vorgegeben wurde – und eine für das grau-braune Haus. Wir haben untersucht, wie großformatige, technisch gefertigte Platten im Palladiana-Stil die Anmutung einer handgefertigten Oberfläche vermitteln können. Dabei sollte die Fassade trotz der praktischen Anforderungen eines Projekts dieser Größenordnung eine Anmutung von Zufälligkeit und handwerklicher Gestaltung bewahren“. Die keramische Verkleidung setzt sich im Inneren des Museums fort und bildet eine durchgängige architektonische Hülle. „Da die Oberfläche aus zahlreichen unregelmäßigen Fragmenten besteht, wird das Licht im Laufe des Tages immer wieder anders reflektiert und scheint sich ständig über die Flächen zu bewegen“.

Projekt
Martand Khosla
General Contractor
Vladan Preradovic
Händler
Highrise Qatar
Keramikbeläge
STUDIO D.O.C.
Baujahr
2025
Cer Magazine International 94 | 10.2026
Projekt
Martand Khosla
General Contractor
Vladan Preradovic
Händler
Highrise Qatar
Keramikbeläge
STUDIO D.O.C.
Baujahr
2025
Keramikbeläge
Studio D.O.C.
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