Wasser hat Klasse | von Alfredo Zappa

Artikel veröffentlicht in: "Produktionsprozesse im Einklang mit der Kreislaufwirtschaft"

Lässt sich das Wirtschaftswachstum erhöhen, indem man die Nutzung eines fundamentalen Gutes wie Wasser drastisch reduziert? Ein Element, dessen Verbrauch weltweit im letzten Jahrhundert um 600 % gestiegen ist? Ja, wenn es sich um Wasser handelt. Etwa 1,9 Milliarden Menschen leben in Gebieten mit hoher Wasserknappheit, eine Zahl, die bis 2050 auf 3 Milliarden ansteigen könnte. Zu den von den Vereinten Nationen für 2030 festgelegten nachhaltigen Entwicklungszielen gehört unter anderem, die „Verfügbarkeit und nachhaltige Bewirtschaftung von Wasser und Sanitärversorgung für alle” zu gewährleisten. Insbesondere wird dabei die „Erhöhung der Nutzungseffizienz in allen Bereichen” angestrebt. Die globalen Daten sind jedoch nicht gerade vielversprechend. Nach Ansicht der Experten beträgt der Mindestverbrauch zur Deckung des Grundbedarfs pro Kopf 40 Liter. In den USA werden 425 l und in Madagaskar nur 10 l pro Kopf verbraucht. Schaut man sich Italien an, zeigen die anlässlich des Weltwassertages veröffentlichten Daten des ISTAT, dass aufgrund der bei der Wasserversorgung auftretenden Verluste von gut 47,9 % die Entnahme von 428 Litern erforderlich ist, um den durchschnittlichen Verbrauch von 220 l Trinkwasser pro Tag und pro Einwohner zu gewährleisten. Unter den 28 Ländern der Europäischen Gemeinschaft ist Italien dasjenige mit der höchsten jährlichen Trinkwasserentnahme, dennoch klagen 2.700.000 Familien über eine unregelmäßige Wasserversorgung. Verschwendung aufgrund schlechter Nutzung und fehlendem Bewusstsein für den Wert des aus den Hähnen kommenden Wassers kommt noch hinzu. Deshalb sagen Experten, dass der Verbrauch durch technische Innovationen bei Wassernutzungsgeräten und angemesseneres Verhalten der Bürger um die Hälfte gesenkt werden könnte.

Genau darauf zielt seit Jahren die Arbeit der FECS, der Europäischen Vereinigung der Sanitärkeramikhersteller, und ihres italienischen Mitglieds Confindustria Ceramica. Jüngstes Ergebnis dieser Arbeit ist das am 13. März in Brüssel präsentierte Unified Water Label. Mit dem Etikett werden europäische Keramikprodukte gekennzeichnet, um dem Konsumenten klare Informationen zur Effizienz des Wasserverbrauchs zu geben und die Auswahl von Produkten zu erleichtern, die – bei einwandfreiem Einbau und richtiger Verwendung – den Wasser- und Energieverbrauch verringern und damit zu Kosteneinsparungen beitragen.

Das Etikett hat eine klare und übersichtliche Grafik mit drei Feldern und macht den Wasser- und Energieverbrauch auf einen Blick erkennbar: Im ersten ist die Wasserverbrauchsklasse anhand einer 5-stufigen Farbskala angegeben, das zweite Feld enthält die beim Gebrauch genutzte Energiemenge und das dritte spezielle Symbole für die Produkteigenschaften.

Die FECS spielte zusammen mit Confindustria Ceramica eine herausragende Rolle bei der Vereinigung der vier bisher in Europa verbreiteten Kennzeichnungssysteme. Eine langwierige Harmonisierungsarbeit, bei der es gelungen ist, den nationalen Eigenheiten durch den Ansatz „Best of All” gerecht zu werden. Infolgedessen konnte das Unified Water Label gut 34 Länder in ganz Europa einbeziehen; heute wird es bereits auf 12.500 Produkten von 148 Marken verwendet und kommt Endverbrauchern und Umwelt zugute.

Für weitere Informationen besuchen Sie: www.europeanwaterlabel.eu/

 

Mai 2019

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