G124 Renzo Piano: Die Ausbesserung der italienischen Randgebiete | von Simona Malagoli

Artikel veröffentlicht in: "Die Cersaie im Zeichen des Neustarts findet bei den Besuchern großen Anklang"

Termin
27.09.2021 - 01.10.2021
Uhrzeit
Ort
Bologna (Italien )

Im Rahmen von „costruire, abitare, pensare“ wird auf der Cersaie 2021 die erste Ausstellung gezeigt, die den Projekten der Gruppe aus jungen Architekten, die von Renzo Piano in das Projekt G124 einbezogen wurden, gewidmet ist. Zu diesen Themen fand auch eine Konferenz mit Edoardo Tresoldi und Stefano Mancuso statt (sehen Sie sich das Video der Konferenz an).

Als der Präsident Giorgio Napolitano Renzo Piano zum Senator auf Lebenszeit ernannte, hat sich der bekannte Architekt entschieden, etwas nützliches für sein Land zu tun, und dabei an die jungen Menschen und die Randgebiete der italienischen Städte gedacht. 2014 beschloss Piano daher, G124 zu gründen: eine von den unter den Dozenten der italienischen Universitäten gewählten wissenschaftlichen Leitern koordinierte Arbeitsgruppe aus jungen Architekten (alle unter 35 Jahren, mit dem Gehalt des Senators bezahlt), die mit Hilfe weiterer Berufsbilder (Soziologen, Anthropologen, Wirtschaftswissenschaftler, Kritiker, Stadtplaner …) die Aufgabe hat, in einjähriger Arbeit Studien zur Ausbesserung eines städtischen Randgebiets zu produzieren. G124 ist der Code für den Raum im Palazzo Giustiniani, den der Senat den Architekten zugewiesen hat. Von Jahr zu Jahr wurden seit 2014 verschiedene Gruppen junger Architekten gebildet, die Projekte zu in ganz Italien verteilten Städten ausgearbeitet haben.

Es gibt keine Ausschreibung für die Auswahl der Stadtviertel, die von der G124 analysiert werden: Die Gruppe selbst wägt die Gelegenheiten und Möglichkeiten ab, um zu entscheiden, wo sie im entsprechenden Jahr ihre Anstrengungen konzentrieren werden. Im Jahr 2020 und – aufgrund der Pandemie – einem Teil des Jahres 2021 wurde an folgenden Städten gearbeitet: Padua (das Projekt im Parco dei Salici wurde in den vergangenen Monaten abgeschlossen), Modena (Projekt im Parco XXII aprile, das gerade in Bau ist) und Palermo (in Bau befindliches Projekt im Stadtteil Zen).

Renzo Piano e il gruppo G124 del 2020-2021 Renzo Piano e i responsabili scientifici del G124

Renzo Piano und die Gruppe G124 von 2020-2021 (Foto Alessandro Lana)

„Dieses Projekt ist meinem Freund, dem Senator auf Lebenszeit Claudio Abbado, gewidmet: Auch er hatte ein eigenes Projekt für den Senat, konnte es aber nicht mehr umsetzen. Er hatte einen großen Wunsch, man könnte fast sagen, eine fixe Idee: den Musikunterricht in unseren Schulen. Das ist notwendig, weil die Musik ein außergewöhnlicher Garten ist, den man aber von der Kindheit an frequentieren muss. Es gab schon immer einen tiefen Einklang zwischen seinem öffentlichen Engagement und der Musik: die Musik als Gelegenheit für die Häftlinge, die Musik, um das Potential der jungen Menschen zu fördern, die Musik als Weg, um die Jugendlichen davon abzuhalten, sich auf der Straße herumzutreiben. Von diesem Wunsch angetrieben arbeitete er mit José Antonio Abreu zusammen und verschwand hie und da nach Venezuela. Er war schon immer von einem überzeugt, und ich teile seine Überzeugung: Schönheit wird die Welt retten, und zwar einen Menschen nach dem anderen. Jeweils nur einen Menschen, aber am Ende wird sie sie retten.“ Das behauptete Renzo Piano.

So hat die Cersaie für die Ausgabe 2021 beschlossen, dieser von Renzo Piano ins Leben gerufenen innovativen Erfahrung eine Ausstellung zu widmen: In „G124 Renzo Piano: Die Ausbesserung der Randgebiete. Eine Reise durch die italienischen Außenbezirke“ wurde eine Auswahl der seit 2014 umgesetzten Projekte mit Schwerpunkt auf den gerade in Modena, Padua und Palermo in Umsetzung befindlichen präsentiert.

Auf die Eröffnung der Ausstellung folgte die Konferenz „Schönheit wird die Welt retten, und zwar einen Menschen nach dem anderen. Jeweils nur einen Menschen, aber am Ende wird sie sie retten. Die Erfahrung der G124 von Renzo Piano ‚Die Ausbesserung der Randgebiete’“, bei der Matteo Agnoletto (Dozent der Architekturfakultät der Universität Bologna und Tutor der G124 Bologna) gemeinsam mit Edoardo Narne (Dozent für architektonischen und städtischen Entwurf an der Universität Padua), Edoardo Tresoldi (Künstler), Stefano Mancuso (Dozent und Leiter des Internationalen Labors für Pflanzenneurobiologie an der Universität Florenz) und online aus Distanz Andrea Sciascia (Dozent für architektonische und städtische Planung der Universität Palermo) zu Wort kam.

Mostra G124 Renzo Piano Cersaie 2021 Cersaie 2021 Conferenza La bellezza salverà il mondo

Edoardo Narne hat die Entstehung des Projekts G124 und seine Implementierung in den sieben darauf folgenden Jahren zurückverfolgt und dabei die verschiedenen Projekte und ihre Umsetzung illustriert. „Kleine, aber reale Projekte konkret umsetzen“, so lautet jedes Jahr das Ziel, und, wie Renzo Piano in einem kurzen Interview behauptete, hat es sich gezeigt: „Es sind zwar nur kleine Tropfen, aber wenn es viele sind… Und wir haben die Absicht, weiterzumachen, das ganze Leben lang“.

Narne hat außerdem erklärt, wie Stefano Mancuso und Edoardo Tresoldi in das Projekt einbezogen wurden: Durch die Überlegungen zum Thema der Bereiche im Freien, ihrer Aufforstung, des offenen Dialogs zwischen Stadtvierteln und künstlerischer Schönheit, Kunst und Natur hat Renzo Piano in der Planung 2019-2020 Randgebiete und Grünflächen in einer wechselseitigen Beeinflussung vereint und dabei Themen berührt, die ihnen am Herzen liegen.

Stefano Mancuso erklärt in seinem auf das „größte Problem, das die Menschheit im Lauf der Geschichte hatte“, die globale Erwärmung, konzentrierten Vortrag, wie in den letzten 50 Jahren eine „komplette Umkehr der Art, wie die Menschen in den Städten leben, stattgefunden hat: Heute leben 80 % der Menschen in Städten und 20 % auf dem Land, was für ein großes Ungleichgewicht auf biologischer Ebene führt. Die Städte sind der Ort unseres Angriffs auf die Umwelt und das zwingt uns zu einer Neuplanung mit radikalen Änderungen.“

„Wir müssen uns komplett andere Städte vorstellen und dabei ist die Arbeit der Architekten grundlegend“, fährt Mancuso fort, der der Meinung ist, dass eine gravierende Trennung zwischen Stadt und der Natur außerhalb die Hauptursache der laufenden Ereignisse ist. „Die Städte sollten komplett mit Pflanzen bedeckt sein, überall sollten Pflanzen sein: Es gäbe unendliche Vorteile für die Menschen.“

„Die künstlerische Dimension ist meiner Meinung nach eines der größten Potenziale, um die Idee, die Natur in die Gebäude zu bringen, mitzuteilen und zu verbreiten“, mit diesen Worten hat Stefano Mancuso die künstlerische Arbeit von Edoardo Tresoldieingeleitet, dem Urheber der Installation „Hora“ im Rahmen des Projekts im Park XXII Aprile in Modena.

Tresoldi erklärt in seinem Beitrag, wie es für ihn „wichtig sei, eine emotionale Beziehung zu den Gegenständen aufzubauen, ebenso wie es notwendig ist, die Sensibilität gegenüber den Dingen und dem Ort, an dem wir leben, wieder zu trainieren.“ Er ist an der Phänomenologie interessiert und beabsichtigt, anhand einer sentimentalen künstlerischen Erfahrung zu konstruieren, in der der Menschen daran gehindert wird, im Raum zu agieren und einzugreifen. Die Idee dahinter ist daher die, dass die Natur im menschlichen Schaffen ihren Lauf nimmt. Leider ist es das Gegenteil von dem, was wir normalerweise machen.

Tresoldi lädt ein, „zu versuchen, die Dinge zu überdenken, die Beziehungen neu zu definieren und … abzuwarten, was passiert.“

Abschließend hat Andrea Sciascia das soeben im Stadtviertel Zen in Palermo umgesetzte Projekt beschrieben und erneut das Potenzial betont, das diese Eingriffe haben.  „Die Bedeutung liegt nicht darin, wie groß die Eingriffe sind, sondern in ihrer Möglichkeit, die Perspektive zu ändern, ihre Neuinterpretation zu sehen: Die drei Eingriffe im Jahr 2020 des Projekts G124 weisen auf diese Möglichkeit hin.“

 

 

Oktober 2021

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