Weiß, durchbrochen von blauen Akzenten. Das Schulgebäude Quinto Orazio Flacco in Castellaneta in der Provinz Tarent scheint mit dem Himmel zu verschmelzen. Dank der Sanierung durch das Architekturbüro Domenico Perrone&P. aus Laterza erwacht die Schule zu neuem Leben.
„Das Gebäude aus den späten 1980er-Jahren mit seinem T-förmigen Grundriss erforderte Maßnahmen zur Verbesserung der Erdbebensicherheit und der Energieeffizienz“, erklärt Architektin Margherita Miccoli. „Die Gebäudehülle war nur unzureichend wärmegedämmt, die Fenster boten eine geringe Dämmleistung, und die Beheizung erfolgte über ein konventionelles System mit Erdgaskessel und Gussheizkörpern. Dies führte zu einem hohen Energieverbrauch und unzureichendem Raumkomfort. Ziel war es, den bestehenden Grundriss und das Bauvolumen zu erhalten und zugleich Sicherheit, Barrierefreiheit und Effizienz zu verbessern. Gleichzeitig wollten wir eine angenehmere Lernumgebung schaffen – mit besserer Luftqualität, höherem thermischem Komfort und einer gezielteren Steuerung des Tageslichteinfalls.“
Das Herzstück des Projekts ist die neue vorgehängte hinterlüftete Fassade. „Wir haben sie als neue klimaregulierende ‚Haut‘ des Gebäudes konzipiert“, erläutert die Architektin. „Das System vereint Dämmplatten, eine tragende Metallunterkonstruktion und eine äußere Bekleidung aus Feinsteinzeug in einem trocken montierten Schichtenaufbau. Die durchgehende Dämmung reduziert Wärmebrücken und verbessert den Komfort in den Schulräumen.“ In Süditalien spielt die Luftschicht zwischen Dämmung und Bekleidung durch den Kamineffekt eine entscheidende Rolle: „Die konvektive Luftströmung trägt dazu bei, einen Teil der im Sommer angestauten Wärme abzuführen, während die durchgehende Dämmung im Winter die Wärmeverluste begrenzt. Die keramische Bekleidung schützt zudem vor Sonneneinstrahlung, Schlagregen und Temperaturschwankungen. Durch die trockene Montage lässt sich das System demontieren, wodurch sich Wartungsaufwand und -kosten reduzieren.“
Für die Bekleidung fiel die Wahl auf das Feinsteinzeug EC1/22 von Cerdisa im Format 60 × 120 cm: „Mit diesen Platten konnten wir konstruktive Präzision, Stabilität, Witterungsbeständigkeit, Reinigungsfreundlichkeit und gestalterische Ausdruckskraft miteinander verbinden. Wir haben uns für das rechteckige Format entschieden, um die visuelle Kleinteiligkeit zu verringern.“ Der Weißton Angel und die blauen Akzente des Feinsteinzeugs treten in einen Dialog mit Himmel und Landschaft. „Sie verleihen dem Gebäude mit seinen unterschiedlichen Baukörpern, Höhenniveaus und Ausrichtungen eine neue Einheit. Das Weiß nimmt die wechselnden Lichtverhältnisse auf und lässt das Bauvolumen der Schule leichter wirken; das Blau schafft Tiefe und Rhythmus und betont die Abfolge von geschlossenen Flächen, Öffnungen und Rücksprüngen.“ Die Sanierung definiert auch die Identität der Schule neu: „Wir wollten die ursprüngliche Struktur nicht auslöschen. Die Fassade ist keine dem Bestand aufgesetzte Maske, sondern ein neues Ordnungsgefüge, das die einzelnen Gebäudeteile, Öffnungen, Zugänge und unterschiedlichen Höhen der Schule ablesbar macht. Die architektonische Hülle wird zum ‚Gesicht‘ der Institution.“ Schulen müssen sich heute den Herausforderungen des Klimawandels stellen: „Wir haben das Wohlbefinden der Lehrkräfte und der Schülerinnen und Schüler in den Mittelpunkt gestellt. Die hinterlüftete Fassade mit durchgehender Dämmung, die Dachdämmung, die neuen Aluminiumfenster mit Dreifach-Wärmeschutzverglasung und der verstellbare Sonnenschutz begrenzen die Wärmeverluste im Winter und reduzieren die sommerliche Überhitzung. Sie regulieren die Sonneneinstrahlung, ohne auf Tageslicht zu verzichten. Ergänzt wird das Projekt durch eine Wärmepumpe, Klimatisierungssysteme mit Wärmerückgewinnung, eine über Präsenzmelder gesteuerte LED-Beleuchtung und eine Photovoltaikanlage mit rund 20 kWp, die um einen Batteriespeicher zur Erhöhung des Eigenverbrauchs erweitert wurde.“
Für die Planenden ist die Botschaft klar: „Die Zukunft unserer Städte hängt auch davon ab, ob wir den Schulgebäudebestand als eine Ressource erkennen, die es weiterzuentwickeln gilt, und nicht als ein nachrangiges Erbe, das ersetzt werden muss. Diese Gebäude zu sanieren bedeutet, Sicherheit, Nachhaltigkeit und architektonische Qualität miteinander zu verbinden und ihnen wieder eine aktive Rolle im Leben der Gemeinschaft zu geben.“


