Die Pandemie bremst die Investitionen in Deutschland nicht | von Barbara Benini

Die durch die Verbreitung des Covid-19 hervorgerufene Krise scheint dem deutschen Immobilienmarkt nicht zu schaden, noch das Vertrauen der Investoren in die Branche zu schwächen. Das beweist der Bericht „Investment market overview“ der Immobilienberatungsgesellschaft JLL über die Investitionen des dritten Quartals 2020 in Deutschland, in dem von einem Markt die Rede ist, der trotz der Pandemie nicht nur Investitionen um 58 Milliarden Euro in den ersten drei Vierteljahren des Jahres 2020 (höher als 2019) verzeichnen konnte, sondern das Jahr auch mit einem Gesamtvolumen über 75 Milliarden abschließen könnte.

 

 

Niedrige Inflationsraten, ein erneuertes Vertrauen der Investoren, eine enorme Liquidität und eine Lockerung der Reiseeinschränkungen, die es den ausländischen Investoren erleichtert hat, die Eigentümer persönlich anzusehen, zählen zu den Hauptfaktoren dieses Standhaltens angesichts der Pandemie. Aber, so behauptet JLL, was das Wachstum der Investitionen in Immobilien in erster Linie begünstigt hat, waren die wirtschaftlichen Hilfsmaßnahmen seitens der Regierung und die Finanzierungstätigkeiten der Banken, was beweist, dass der Umgang mit der Krise seitens der Regierung als Vertrauens- und Stabilitätsfaktor stärker denn je zu einem Investitionskriterium für die Akteure der Immobilienbranche zählt.

Und auch, wenn man mittelfristig an die Zukunft denkt, scheint JLL optimistisch. In den kommenden vier Jahren werden durch die Fälligkeit der deutschen Staatsanleihen mehr als 900 Milliarden in den Markt fließen, die natürlich weiterinvestiert werden müssen. Die Vermutung, dass die Immobilienbranche gemeinsam mit der Energie- und Infrastrukturbranche einer der wichtigsten Katalysatoren dieser Kapitale sein wird, liegt somit nahe.

Ungefähr 58 Milliarden Euro wurden in den ersten drei Quartalen in Immobilien investiert. Geflossen sind sie vor allem in die Wohnbranche, die mit 19 Milliarden Investitionen am Ende des dritten Quartals weiterhin das beliebteste Investitionssegment darstellt. Eine Vorrangstellung, die einerseits mit der Suche nach soliden Investitionsprodukten erklärt werden kann; andererseits, wie es oft in Krisenzeiten der Fall ist, mit dem Interesse der öffentlichen Einrichtungen und Privatinvestoren an Produkten mit langfristigen Mieten und an Mieter der öffentlichen Hand vermieteten Objekten.

Die für die Logistik bestimmten Immobilien, die einen weiteren Anstieg um 20 % im Vergleich zum vorigen Quartal verzeichnen konnten, stellen heute 10 % des gesamten Marktes dar und können in diesem Moment zu Recht als wahre „Schatzkammer“ der Investoren erachtet werden. So hat die Tendenz zu Onlinekäufen endgültig Fuß gefasst und erfordert immer diversifizierter Lieferketten und ein möglichst breites Netz an Vertriebszentren. Eine der erheblichsten Transaktionen des dritten Quartals betraf zum Beispiel die Akquisition seitens Allianz einer 50%igen Beteiligung an einem neuen Logistik- und Industriepark in der Nähe von München um mehr als 250 Millionen Euro.

 

 

Die Performance der Bürobranche, die weiterhin das Vertrauen der Investoren erntet, konnte in den ersten neun Monaten des Jahres pro Quartal Transaktionen zwischen 4,5 und 4,9 Milliarden verzeichnen. Das Gesamtvolumen der in diesem Marktanteil getätigten Transaktionen betrug 14,2 Milliarden in den ersten neun Monaten des Jahres 2020, was einen Rückgang um ungefähr 21 Milliarden im Vergleich zu 2019 bedeutet. Eine Resilienz des Markts, die sowohl auf die Transaktionen im Zeitraum vor dem Coronavirus, als auch auf die während der Krise verschobenen und nun abgeschlossenen, von denen es zahlreiche in beachtlicher Höhe gab, zurückzuführen ist.

Im Bereich der Immobilien für das Gewerbe wurden in den ersten neun Monaten des Jahres in Deutschland 8 Milliarden Euro investiert, die großteils (4,2 Milliarden) für Retail Parks, Supermärkte, Discounter und den Fachhandel bestimmt waren. Anders verhält es sich bei der Hotelbranche, in der die Situation weiterhin schwierig bleibt, so stellt sich nur wenig mehr als 2 % des Gesamtvolumens der Transaktionen in den ersten neun Monaten des Jahres 2020 dar. So ist die Anzahl der Reisen mit dem erneuten Anstieg der Ansteckungen in fast allen europäischen Ländern nach dem Sommer drastisch gesunken und die Hotels sind erneut geschlossen, was die Investoren von Initiativen abhält.

Wir möchten noch einen Blick auf die verschiedenen geografischen Unterschiede werfen. Die sieben größten deutschen Städte (Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, München, Köln und Stuttgart) haben insgesamt Investitionen um fast 27 Milliarden Euro angelockt, 46 % der deutschen Gesamttransaktionen, mit einem Rückgang um 17 % im Vergleich zum Vorjahr. Im Vergleich der sieben „Hochburgen“ verzeichnet nur Hamburg ein positives Ergebnis (ungefähr 4,9 Milliarden Investitionen, 29 % mehr als 2019), während die Investitionen in Düsseldorf stabil geblieben sind. In den anderen Großstädten hingegen sind die Transaktionen zwischen 15 % in München und 48 % in Stuttgart zurückgegangen. Außerhalb der sieben deutschen Metropolen ist das Interesse für den Immobilienmarkt in den Stadtgebieten weiterhin gestiegen. Vom ersten Quartal bis zum Ende des dritten wurden mehr als 31 Milliarden in diese Gebiete investiert, während im gleichen Zeitraum des Vorjahrs nur 5,6 erreicht werden konnten. Dieses Ergebnis ist der Tatsache zu verdanken, dass es außerhalb der gefestigten Märkte interessante Investitionsgelegenheiten gibt, insbesondere in derzeit sehr gefragte Produkte wie Altersheime, Einzelhandelsbetriebe mit Räumen für das Gastgewerbe oder Logistikhallen.

 

 

Dezember 2020