Nachhaltigkeit in der Produktion und Logistik von Keramik | von Walter Sancassiani

Grüne Evolution

In den letzten 40 Jahren konnte man verschiedene Ansätze zum Thema Umweltschutz/Ökologie beobachten. Ersten Konzepten, die sich auf die Wiederaufbereitung verschiedener Emissionsquellen am Ende des Produktionszyklus konzentrierten, folgten schrittweise Maßnahmen zur Rückgewinnung und fast vollständigen Wiederaufbereitung von Sekundärrohstoffen. Im nächsten Schritt wurden Ansätze der Umweltpolitik umgesetzt mit der Einführung freiwilliger, über die gesetzlichen Vorgaben hinausgehender Managementstandards. Daraus sind Umweltzertifizierungen der Produkte und Prozesse in Europa und weltweit entstanden. Aktuell stehen Ansätze zur Reduzierung des Rohstoffbedarfs in der Produktion zur Diskussion.

Einsparung und Energieeffizienz

Energietechnisch betrachtet ist seit den 70er Jahren der Verbrauch pro Tonne produziertem Produkt von 10 auf 6 GigaJoule gesunken, dank technologischer Innovationen, verbesserter Produktionszyklen und Energieeffizienz der Maschinen.

Derzeit sind in der Branche mehr als 30 Blockheizkraftwerke und 4 Photovoltaikanlagen mit einer Leistung von 120 MW und einer Produktion von 450 GWh/Jahr in Betrieb, die 38% des Energiebedarfs decken.

Die Analyse der Branchendaten zeigt, dass 85% der Werke einen geringeren Einheitenverbrauch haben als der als BVT angesetzte Wert (6,5 GJ/t).

 

Wasser- und Rohstoffbilanz

Daten zur Rückgewinnung von Prozesswasser zeigen, dass das Engagement in diese Richtung hoch ist: 97% der Werke leiten keine Abwasser ab und reduzieren damit das Risiko potentieller Oberflächen- und Grundwasserverschmutzungen. Der Wiederverwendungsfaktor für Produktionsabfälle (roh und gebrannt) beträgt fast 100% (zum Vergleich 89% im Jahr 1998). Für Unternehmen, die Abfälle aus anderen Branchen verwenden (Verbrennungsrückstände, Kathodenstrahlröhren, Glasflaschen, Textilschlamm usw.), liegt der Wert der Kreislaufwirtschaft bei über 100%.

 

 Emissionsrückgang

Die Produktionsanlagen im Wirtschaftsdistrikt sind konform mit den Anforderungen zu Schadstoffemissionen in die Atmosphäre gemäß der Nationalen Leitlinien für „Beste Verfügbare Techniken“ (BVT).

Rund 90% der Blei- und Fluoremissionen werden durch die Kläranlagen ausgefiltert. Bei den Staubemissionen werden bis zu 99% abgeschlagen. Seit 1988 sind die spezifischen Emissionswerte für Staub, Blei und Fluor der Werke um rund 65% zurückgegangen. Die Kohlendioxidemissionen liegen im Bereich zwischen 3 und 8 kg/m2, wobei sich die Emissionen je nach Verfahrenstechnik und gefertigte Produktart unterscheiden. Die Branche ist Mitglied des Emissionshandelssystems (ETS) der Europäischen Union, das auf EU-Ebene ein System für den Handel mit CO2-Emissionszertifikaten (EU-Zertifikate) unterhält und sich daher verpflichtet, auf die Erreichung der europäischen Emissionsminderungsziele mit Zielen von -21% im Jahr 2020 und -43% für 2030 hinzuarbeiten.

 

Messung und Reporting von Umweltbelastung und Nachhaltigkeitsprofil

Die Region Emilia-Romagna hat 2012 ein Abkommen mit Confindustria Ceramica zur Berichterstattung und Verarbeitung von umweltrelevanten Daten unterzeichnet. Durch das Abkommen ist die Datenverarbeitung der Umweltparameter und Emissionen möglich, die von Unternehmen jährlich über das regionale AIA-Portal übermittelt werden. Der Bericht liefert Ergebnisse zur Umweltbelastung und Umweltleistung im Vergleich zu den Emissionen in die Atmosphäre, Wasser und Wasserbilanz, Materialeinsatz und Energieverbrauch. Für die Analyse und die Aufstellung der Umweltbelastung und Umweltleistung werden jährlich 35 Kennzahlen ausgewertet.

 

 Mobilität

Für den Güterverkehr innerhalb und außerhalb des Wirtschaftsdistriktes werden derzeit verschiedene Hypothesen zur Verbesserung des Logistikmanagements der Ströme verglichen. In der Distribution herrscht das Modell der Ab-Werk-Lieferung vor, aber es gibt auch andere Liefermodelle. Im Wirtschaftsdistrikt werden rund 24% der Verkehrsströme für Rohstoffbeschaffung und Distribution über den Gleisverkehr abgewickelt, das entspricht dem Doppelten auf des italienischen Durchschnittswertes. Auch für den Pendlerverkehr vom Wohnort zur Arbeitsstätte experimentieren die Unternehmen mit neuen Ansätzen wie beispielsweise Fahrgemeinschaften.

 

Dezember 2018

Literaturverzeichnis – Regelwerke

  • Report 2010-2015: Umweltbelastung und Umweltleistungen (Confindustria Ceramica, 2015)
  • Italienische Keramik für Nachhaltigkeit Confindustria Ceramica – Aktualisierung 2016