Technik
Die BIM-Spezifikation für Sanitärkeramik | von Valerio Da Pos
(März 2026) – Die Einführung von BIM (Building Information Modeling) in Italien ist nicht mehr nur eine vorausschauende Entscheidung, sondern eine Notwendigkeit, die sich aus der regulatorischen und marktwirtschaftlichen Entwicklung ergibt. Mit dem neuen Vergabekodex, der BIM ab 2025 für Bauvorhaben über 2 Millionen Euro verpflichtend macht, muss jede Baukomponente in einen informationsreichen „digitalen Zwilling“ verwandelt werden.
In diesem Zusammenhang haben Sanitärprodukte eine besondere Natur: Ein Sanitärprodukt ist nicht nur ein architektonisches Element, sondern die Schnittstelle zwischen dem physischen Raum und den technischen Gebäudesystemen.
Seit 2019 verfolgt Confindustria Ceramica ein ehrgeiziges Projekt zur Entwicklung spezifischer „BIM-Spezifikationen“ für drei Produkt-Makrokategorien: Keramikfliesen, Backstein und – seit 2024 – Sanitärkeramik.
In digitaler Hinsicht wird die BIM-Spezifikation technisch zum Datentemplate der spezifischen Eigenschaften (Properties, gruppiert in „Property Sets“) der Produkte, das die Hersteller bei der Zusammenstellung der Eigenschaften bei der Erstellung ihrer digitalen BIM-Kataloge unterstützt. Es handelt sich nicht nur um ein technisches Instrument, sondern um ein echtes kulturelles Manifest, das darauf abzielt, die gestalterischen, regulatorischen, ökologischen und digitalen Anforderungen des Marktes zu integrieren und gleichzeitig Qualitätsprodukte, Produkte „made in Italy“, aufzuwerten.
Die technische Anforderung besteht darin, der Welt der Architektur, des Ingenieurwesens sowie öffentlichen und privaten Auftraggebern eine einheitliche und zuverlässige Referenz zu bieten, die den nationalen und internationalen Standards entspricht und die Integration von Sanitärprodukten in BIM-Gebäudedatenmodelle ermöglicht.
Der regulatorische, gesetzliche, nationale und internationale Kontext
Die Digitalisierung der Bauwirtschaft ist mittlerweile eine weltweit etablierte Realität, begleitet von einem zunehmenden regulatorischen Druck. In Italien macht der Vergabekodex (Gesetzesdekret 36/2023) die Digitalisierung zu seinem zentralen Thema und widmet Anhang I9 nahezu vollständig dem BIM. Der neue Vergabekodex (Gesetzesdekret 36/2023) hat die Verwendung von BIM für alle öffentlichen Projekte mit einem Wert von über 2 Millionen Euro verpflichtend gemacht und ermöglicht zugleich die freiwillige Einführung von BIM-Methodologien durch öffentliche Auftraggeber, die dies wünschen.
Es handelt sich nicht nur um eine italienische Initiative; vielmehr ist sie Teil einer globalen Bewegung hin zur Digitalisierung des Bausektors, die mit der Richtlinie 2014/24/EU über die öffentliche Auftragsvergabe begann und den Einsatz digitaler Instrumente wie BIM zur Verbesserung von Effizienz, Transparenz und Nachhaltigkeit fördert. Der von der EU ausgehende Impuls zur Digitalisierung breitet sich zunehmend auf alle Aspekte des Bausektors aus: Digital passport, neue CPR, DoPC, SmartCE usw. bewegen sich alle in Richtung Digitalisierung und basieren auf BIM-kompatiblen und konsistenten Datenstrukturen (Datatemplates), was – wenn man darüber nachdenkt – logisch ist.
Die Entwicklung und Unterstützung internationaler Normen (ISO-19650-Reihe) definiert klare Leitlinien für das Informationsmanagement über den gesamten Lebenszyklus gebauter Anlagen hinweg. In diesem Kontext ist die Baustoffindustrie aufgefordert, strukturierte und interoperable Daten bereitzustellen, die den Anforderungen von Auftraggebern und BIM-Plattformen entsprechen.
Die BIM-Spezifikation für Sanitärprodukte
Die BIM-Spezifikation für Sanitärprodukte wurde in einem kollaborativen und partizipativen Prozess von einem multidisziplinären Team erarbeitet, das sich aus Vertretern der Mitgliedsunternehmen zusammensetzte und von Confindustria Ceramica koordiniert wurde.
Die Spezifikation verfolgt drei Ziele:
- eine „Standard“-Datenstruktur für die digitale Darstellung keramischer Sanitärprodukte bereitzustellen und damit Konsistenz, Qualität und Vollständigkeit der Daten zu gewährleisten;
- die Integration digitaler Produkte in BIM-Prozesse für Planung, Berechnung, Verwaltung und Wartung von Gebäuden zu erleichtern;
- die Nachhaltigkeit durch digitale Rückverfolgbarkeit von Materialien, Umweltleistungen und Produktlebenszyklus zu unterstützen.
Sie betrifft folgende Sanitärproduktfamilien: Waschbecken (washbasins), WCs (water closets), Bidets, Duschwannen (shower trays), Badewannen (baths) und Urinale (urinals), die im Wohnungsbau am weitesten verbreitet sind.
In Kontinuität mit früheren Projekten in den Bereichen Fliesen und Backstein ist die „BIM-Spezifikation für Sanitärprodukte“ eine technische Datenstruktur (Datentemplate) der Produkteigenschaften (Properties), die – ohne den Hersteller strikt zu verpflichten – eine Leitstruktur und Regeln für die korrekte BIM-Implementierung bei der Erstellung digitaler Produktkataloge vorgibt. Sie ist eine standardisierte „digitale Identitätskarte“, die geometrische Eigenschaften (Abmessungen, Formen, Platzbedarf), technische Eigenschaften (Materialien, Oberflächen, Widerstandsfähigkeit, Systemkompatibilität), Informationsmerkmale (Codes und Zertifizierungen) sowie Umweltmerkmale (Recyclinganteil, LCA-Auswirkungen, Haltbarkeit) enthält.
Das Template wurde so konzipiert, dass es mit den wichtigsten BIM-Programmen (Revit, Archicad, ARCHline.XP, Allplan usw.) interoperabel ist und dem IFC-Standard (Industry Foundation Classes) entspricht, wodurch eine maximale Verbreitung und Nutzung gewährleistet wird. Ohne eine solche Leitlinie würde jeder Hersteller Daten in unterschiedlichen Strukturen und Formaten bereitstellen, was deren korrekte Verwaltung durch Planer unmöglich machen würde.

Die doppelte Natur: architektonisch und anlagentechnisch (MEP)
Das BIM-Objekt soll den Anforderungen von Planern, Haustechnikingenieuren oder Gebäudemanagern gerecht werden, insbesondere:
- architektonische und ästhetische Anforderungen: Das Modell muss Design und visuelle Wirkung des Produkts realitätsgetreu wiedergeben;
- funktionale und anlagentechnische Anforderungen (MEP – Mechanical, Electrical, Plumbing): Planer müssen im Datentemplate die notwendigen Informationen finden, um das Sanitärprodukt fehlerfrei in das Gebäude- und Anlagensystem zu integrieren.
Sind diese Anforderungen erfüllt, wird der Fachmann zum wichtigsten Vermittler der Lieferung und verwandelt sich vom einfachen Nutzer in einen „Botschafter“ des Produkts gegenüber dem Endkunden.
Für Architekten muss ein BIM-Objekt zwar korrekt in einem Rendering erscheinen, aber auch Anforderungen an regulatorische Konformität, räumliche Koordination, Klassifizierung und Nachhaltigkeit erfüllen. Für MEP-Ingenieure und Haustechnikplaner ist das BIM-Objekt ein Bestandteil des hydraulischen Systems mit seinen Anschlüssen und seiner Flusslogik: Das BIM-MEP-Objekt definiert die genaue Position, den Durchmesser und den Systemtyp (z. B. Trinkwasserkaltleitung oder Abwasserleitung) jedes Anschlusses – Daten, die für die Dimensionierung der Rohrleitungen unerlässlich sind.
Vom Lieferanten zum strategischen Partner
Sanitärhersteller, die in BIM-Modelle investieren, hören auf, einfache Lieferanten zu sein, und werden zu Wissenspartnern (konforme Formen und Spezifikationen, zuverlässige Daten), wodurch kostspielige Änderungen auf der Baustelle und Planungsfehler reduziert werden. Die BIM-Spezifikation für Sanitärprodukte bildet die Brücke zwischen der Qualität von „Made in Italy“-Produkten und der digitalen Baustelle. Dank dieses Instruments können Hersteller sicherstellen, dass ihre Produkte ausgewählt und korrekt in BIM-Prozesse integriert werden, wodurch Fehler auf der Baustelle reduziert und die Nachhaltigkeit über den gesamten Gebäudelebenszyklus hinweg verbessert werden.
Sie stellt ein vorbildliches Beispiel dafür dar, wie ein Industriezweig die Herausforderungen der Digitalisierung und Nachhaltigkeit mit konkreten Instrumenten vorwegnehmen kann. In einer Zeit, in der Daten, Rückverfolgbarkeit und Umweltverantwortung im Mittelpunkt der Bauwertschöpfungskette stehen, markiert diese Initiative einen grundlegenden Schritt hin zu einer effizienteren und zirkulären Zukunft.

