Projekte
Feng-Shui-Minimalismus
Riccardo Bianchi
Wathan Studio
ACA Architects
COEM
SITA Thailand
2025
Die von Anon Chitranukroh und Waranthorn Intuputi von ACA Architects in Bangkok entworfene KR Residence präsentiert sich als minimalistischer, zweigeschossiger Kubus: weiß, makellos und geheimnisvoll. Lichtstreifen zeichnen die Gebäudekanten mit chirurgischer Präzision nach und erinnern an die rätselhafte Atmosphäre eines Science-Fiction-Films. Hinter dieser Hülle äußerster Schlichtheit verbirgt sich eine unerwartete architektonische Komplexität, inspiriert von den Prinzipien des Feng Shui, einer alten chinesischen Praxis zur Harmonisierung von Räumen. Die Bauherren, ein Paar aus Hongkong und Taiwan, schätzen diese Lehre sehr und lieferten den Architekten die konzeptionelle Grundlage des Projekts: ein Raster aus neun Quadraten, aus dem sich das Gebäude entwickeln sollte. Innerhalb dieses Rasters erfüllt jedes Quadrat eine bestimmte Funktion: ein Wohnbereich unten rechts, Küche und Esszimmer oben links, ein Wellnessbereich ebenfalls oben links, Nebenräume entlang des äußersten linken Randes und ein Arbeitszimmer im unteren linken Quadrat. Die Vorgaben der Bauherren umfassten zudem Proportionsregeln für die Türöffnungen und betonten die Notwendigkeit eines zentralen Innenhofs. Obwohl die Grundstückskonfiguration eine Platzierung in der oberen rechten Ecke nahelegte, „schrieben“ die Feng-Shui-Kriterien eine Positionierung des Hauses auf der linken Seite vor.
Anstatt sich dieser Vorgabe zu widersetzen, verwandelten die Architekten sie in eine unverwechselbare architektonische Geste. Das Obergeschoss mit dem Hauptschlafzimmer wurde so konzipiert, dass es mehr als sieben Meter über die darunterliegende Zufahrt auskragt und sich in jene Richtung erstreckt, die den uneingeschränkten Blick auf den See eröffnet. Diese kühne Lösung wurde zu einem Markenzeichen des Hauses: Sie respektiert die Feng-Shui-Vorgaben und verbessert zugleich den Alltagskomfort der Eigentümer. Eine weitere unverzichtbare Forderung des Feng-Shui-Meisters war ein zentraler Innenhof. Dieser durfte weder hohe Bäume noch größere Pflanzungen enthalten; vorgesehen war ausschließlich Rasen. In dieser Form lässt der Hof Tageslicht aus allen Richtungen einströmen und hält das Haus den ganzen Tag über hell, sodass künstliche Beleuchtung nur in geringem Umfang benötigt wird.
Zugleich dient er als dezenter Verbindungsraum zwischen sämtlichen Bereichen. Jede Seite des Hauses bleibt mit den anderen in visueller Beziehung, als wären Innen- und Außenraum Teil eines einzigen, durchgängigen Raums. Zusammen mit dem zentralen Innenhof sorgt das Neun-Quadrate-Raster außerdem dafür, dass die vom Gebäude geworfenen Schatten ausreichend Schutz vor der Nachmittagssonne bieten. Dies mildert die Hitze und ermöglicht einen angenehmen Alltag, ohne übermäßig auf Vorhänge angewiesen zu sein. Das Haus erstreckt sich über zwei Geschosse, die durch zwei Treppen mit unterschiedlichen, sich ergänzenden Funktionen verbunden sind.
Eine skulpturale, gewendelte Treppe unter einem Oberlicht im Zentrum des Hauses zieht schon beim Betreten die Blicke auf sich. In ihrem Treppenauge hängt ein luftig wirkender Glasfaserleuchter, der ihre Doppelfunktion als Erschließungsweg und ausdrucksstarkes Gestaltungselement unterstreicht. Auf der gegenüberliegenden Seite des Innenhofs folgt eine geradläufige Treppe den Anforderungen des täglichen Lebens und bietet eine effiziente, praktische Verbindung. Während das Obergeschoss den Schlafbereich mit großzügigen Suiten und jeweils eigenem Bad aufnimmt, beherbergt das Erdgeschoss die Wohnräume. Der kombinierte Wohn- und Essbereich neben der skulpturalen Treppe öffnet sich über zwei Geschosse.
Diese Raumhöhe lässt das Haus freier atmen und eröffnet reizvolle diagonale Blickachsen zum See. Die Begeisterung des Bauherrn für Hausautomation und Beleuchtung verleiht der Architektur einen zurückhaltenden, futuristischen Charakter: klar und präzise, akzentuiert durch sorgfältig inszenierte Lichtlinien, die eine Atmosphäre der Reinheit schaffen. Die Bauherrin wiederum wollte diesen technologischen Minimalismus abmildern und Wärme einbringen.
Dafür sorgen bernsteinfarbenes Licht auf goldfarbenen Aluminiumoberflächen, braune Holzdetails und Wände mit Steintexturen. Für die Böden wählten die Architekten Feinsteinzeugplatten in Steinoptik aus der Kollektion Flow von Coem, im Format 60 × 120 cm, im Farbton Grigio Chiaro und mit geläppter Oberfläche. Ebenfalls von Coem stammt die Kollektion Reverso, die in den Bädern im Farbton Avorio mit natürlicher Oberfläche eingesetzt wurde.
Tropische Pflanzen lockern die Atmosphäre zusätzlich auf und lassen die Innenräume entspannter wirken. Trotz dieser Elemente bleibt die Farbpalette insgesamt zurückhaltend: Klares Weiß kontrastiert mit Schwarz und wird durch sanfte Beige- und Brauntöne ergänzt. So entsteht ein helles, luftiges Ambiente, das niemals übermäßig streng wirkt. Letztlich spiegelt die KR Residence die Persönlichkeiten ihrer Eigentümer auf gelungene Weise wider. Sie verbindet Schlichtheit mit der Leidenschaft für Science-Fiction und Technologie und verknüpft all dies mit den Prinzipien des Feng Shui. Das Ergebnis ist ein unverwechselbar persönlicher Entwurf, in dem Symbolik und Funktionalität nahtlos ineinander übergehen.
Flow

light grey
60x120 cm - 9 mm
Zertifizierungen
ISO 9001, ISO 14001, EMAS, ISO 45001, ISO 17889-1, EPD, Recycelter Inhalt, LEED
Weitere Informationen zum Produkt > Gehen Sie zum Katalog
Reverso

Avorio
60x120 cm - 9 mm
Zertifizierungen
ISO 9001, ISO 14001, EMAS, ISO 45001, ISO 17889-1, EPD, Recycelter Inhalt, LEED
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