In Italien wie im Ausland wurde sie als „schönste U-Bahn-Station der Welt“ gefeiert. Als „Archäo-Station“ wird sie bezeichnet. Tatsächlich ist die neue, Ende 2025 eröffnete Station Colosseo-Fori Imperiali der römischen U-Bahn-Linie C weit mehr als eine Verkehrsinfrastruktur: Hier verschmelzen Design und Archäologie und verwandeln einen Durchgangsort in ein lohnendes Besuchsziel. Schließlich liegt sie in einem der außergewöhnlichsten städtebaulichen und archäologischen Kontexte der Welt. Der Entwurf der Architekten Andrea Grimaldi und Filippo Lambertucci, gemeinsam mit Livio Carriero, Amanzio Farris, Davide Leogrande, Edoardo Marchese, Valerio Ottavio und Leo Viola, entstand genau aus diesem Anspruch heraus. Wie sie in einem Interview erklärten, wollten sie „einen als rein funktional gedachten öffentlichen Raum in einen echten Stadtraum von hoher Qualität verwandeln“.

Entscheidend für das Projekt waren die außergewöhnlichen Entdeckungen bei den vorbereitenden Ausgrabungen. Dabei kamen antike Brunnen zum Vorschein, die ursprünglich der Wasserversorgung dienten und später als Votivdepots genutzt wurden. Dieser Fund prägte das gesamte gestalterische Narrativ. So erscheint die unterirdische Station als ein gewaltiger Brunnen, der Fragmente und Geschichten einer fernen Vergangenheit wieder ans Licht bringt und dabei mit den Gegensätzen von Masse und Leere, Dunkelheit und Licht spielt.

Die Station gliedert sich in unterschiedliche Räume: von der weitläufigen Eingangshalle, die an eine Basilika erinnert und ihre beiden zu den Kaiserforen und zum Kolosseum ausgerichteten Enden betont, bis hin zum monumentalen Treppenraum mit sich kreuzenden Treppenläufen. Dieses Gestaltungsprinzip setzt sich auch auf der Zwischenebene fort, wo Rückwände die archäologischen Fundstücke und Votivbrunnen in Szene setzen. Auf dem Weg hinunter zu den Bahnsteigen werden die Fahrgäste von großen, abgehängten Lichtglocken empfangen, die den Raum nach oben öffnen und seine Dimensionen großzügiger wirken lassen. Ein Projekt von großer Tragweite, das in italienischer Keramik eine wertvolle Verbündete gefunden hat. Wände und Böden sind mit großformatigen Feinsteinzeugplatten aus der Kollektion Pietre di Paragone von Casalgrande Padana bekleidet, die hier im Farbton Gré Nero zum Einsatz kommt. Die Kollektion verbindet die technischen Eigenschaften des Materials mit der Ausstrahlung traditioneller Natursteine aus dem Alpenraum und anderen Regionen Europas, die ihr als Vorbild dienen. Zusammen mit den durch Sandstrahlen eingravierten Plänen verleihen die gewählten Keramikoberflächen den Durchgangsbereichen einen klar gegliederten, musealen Charakter. Zugleich bieten sie die Robustheit, die eine stark frequentierte U-Bahn-Station erfordert. Diese Qualitäten brachten der Gestaltung zudem den ersten Preis in der Kategorie „Großflächen und Fassadenbekleidungen“ bei der 13. Ausgabe des Grand Prix ein, dem internationalen Architekturwettbewerb von Casalgrande Padana. Goldfarbene Metalldetails lockern schließlich den einheitlich dunklen Hintergrund auf, kennzeichnen die archäologischen Bereiche und Sehenswürdigkeiten und erleichtern den Fahrgästen die Orientierung. So wird der Alltag im öffentlichen Nahverkehr zu einer eindrucksvollen Reise in den Untergrund und durch die Zeit.