Property of Sergio Asti, a Design Heritage | von Maria Teresa Rubbiani

Sergio Asti(September 2026) – Oder: Was von einem großen Designer bleibt. Vielleicht ist es an der Zeit, ein wenig zurückzublicken und sich anzusehen, was in den großen Jahren des italienischen Designs geschaffen wurde. Wem würden wir dabei begegnen? Sergio Asti zum Beispiel. Es war noch nicht die Zeit der Stararchitekten, und so war jemand wie Sergio Asti vor allem in Fachkreisen bekannt, ohne die breite Bekanntheit zu genießen, die heute Philippe Starck oder Renzo Piano haben – Namen, die praktisch jeder kennt.

Es waren die Jahre von Ettore Sottsass, Achille Castiglioni und Enzo Mari. Jahre, in denen die italienische Industrie wuchs und kontinuierlich neue Produkte für den Wohnbereich hervorbrachte, deren Schönheit, formale Stimmigkeit und Funktionalität dem Gestalt verliehen, was wir heute als Made in Italy bezeichnen. Es waren die Jahre, in denen die italienische Industrie Planer und Architekten – der Beruf des Designers entstand in eben jener Zeit – dazu aufforderte, sich unmittelbar mit der industriellen Produktion auseinanderzusetzen und Objekte zu entwerfen, die in Serie hergestellt werden konnten, ohne dabei auf die Schönheit jener handwerklichen Kultur des fatto bene, des „Gutgemachten“, zu verzichten, die Italien seit Jahrhunderten prägt.

Property of Sergio AstiDas Verdienst, eine Persönlichkeit wie Sergio Asti wieder ins Rampenlicht gerückt zu haben, gebührt der Mailänder Galerie Fragile. Anlässlich der diesjährigen Design Week widmete sie ihm eine Ausstellung und realisierte ein eindrucksvolles, bei Silvana Editoriale erschienenes Buch mit dem Titel Property of Sergio Asti. A Design Heritage.

Auf Anfrage der Herausgeber des Buches beteiligte sich Confindustria Ceramica an der Initiative und stellte Material über Sergio Asti aus dem eigenen Dokumentationszentrum zur Verfügung. Der Designer arbeitete im Laufe seiner Karriere in den unterschiedlichsten Bereichen: von Tafelgeschirr und Beleuchtung über Automobildesign und Haushaltsgeräte bis hin zu Messegestaltungen, Gebäuden, Möbeln aller Art, Sanitärkeramik und Schmuck. Darüber hinaus entwarf er keramische Wandbeläge für Cedit, Gabbianelli und Ceramiche Ragno.

Sergio Astis Schaffen war außerordentlich umfangreich, sodass Keramikfliesen darin nur einen vergleichsweise kleinen Bereich ausmachen. Dennoch ist sein Beitrag auch auf diesem Gebiet von einer solchen Ausdruckskraft, dass seine Wandbeläge noch heute durch ihre Kraft und Lebendigkeit beeindrucken. Ein herausragendes Beispiel ist das Projekt La Finestrina, la Finestra, la Finestrona: eine Serie aus vier unterschiedlichen Fliesen, die ein Fenster darstellen, das sich von klein zu groß entwickelt und in dessen Mitte ein Baum zu sehen ist. In ihrer Abfolge erzeugen die Fliesen eine faszinierende perspektivische Wirkung. Es handelt sich nicht einfach um eine Wanddekoration, sondern um einen ausdrücklichen Verweis auf die italienische Kunst der Perspektive.

Die Beziehungen zwischen der italienischen Keramikindustrie und Sergio Asti beschränken sich jedoch nicht auf die zahlreichen von ihm entworfenen Fliesen, von denen einige im Dokumentationszentrum der italienischen Keramikfliesenindustrie aufbewahrt werden. Sie umfassen auch seine Teilnahme an einer bedeutenden Tagung, die 1984 auf der Cersaie unter dem Titel Il Decoro Ceramico: superfici e ambiente („Keramisches Dekor: Oberflächen und Raum“) stattfand und an der weitere bedeutende Meister des italienischen Designs teilnahmen, darunter Bruno Munari. Bei dieser Gelegenheit erläuterte Asti, was er unter Dekor und insbesondere unter keramischem Dekor verstand. Seine Worte lauteten: „Bei mehr als einer Gelegenheit wurde festgestellt, dass in der Vergangenheit das ‚Dekor‘ trotz seiner Eigenständigkeit lange Zeit als Nebenprodukt der bildenden und plastischen Künste betrachtet wurde … Seit einiger Zeit hingegen … wird dem ‚Dekor‘ eine eigene Autonomie in der Forschung zuerkannt, indem seine Ursprünge untersucht und seine Unabhängigkeit von Malerei oder Bildhauerei anerkannt werden …“ Weiter führte er aus: „Doch kehren wir zum keramischen Produkt zurück, zum Dekor, zur Oberfläche, zu den Räumen. Gerade bei Letzteren möchte ich verweilen, denn ich halte es nicht für möglich, keramisches Dekor als eine rein grafische Übung zu interpretieren, die mithilfe bestimmter Techniken und Technologien in ein Produkt übertragen wird. Entscheidend ist die Möglichkeit, das Produkt in drei Dimensionen einzusetzen, also die Möglichkeit, einen Raum zu erleben oder zu genießen.“

Der von Rosa Chiesa und Alessandro Zannoni herausgegebene Band enthält eine umfangreiche Auswahl von Sergio Astis Projekten. Schon beim schnellen Durchblättern der zahlreichen Abbildungen erhält man einen präzisen Eindruck davon, welchen Beitrag dieser produktive Mailänder Architekt zum italienischen Industriedesign geleistet hat. Im Laufe seiner Karriere erhielt er zahlreiche Preise und Auszeichnungen, darunter 1962 einen Compasso d’Oro für die Vase Marco.

Der 1926 geborene Sergio Asti konnte das außerordentlich produktive und kreative Mailand der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts unmittelbar erleben und lernte bedeutende Persönlichkeiten aus Architektur und Design kennen, von Gio Ponti und Bruno Munari bis zu Achille Castiglioni und Ettore Sottsass. Schließlich wurde er selbst zu einem Teil jenes großartigen Mosaiks, das das Beste des Mailänder und italienischen Designs des 20. Jahrhunderts verkörpert.