Die Suche nach einem Gleichgewicht zwischen Erinnerung und Gegenwart sowie der Wunsch, Räume für eine intime und zugleich anspruchsvolle Gastlichkeit zu schaffen, bildeten die Grundlage für die Planung des Nyla Riad in Marrakesch, Marokko. „Die gestalterische Philosophie, die seiner Realisierung zugrunde liegt, entstand aus der Idee, ein historisches Wohnhaus in der Medina in einem Refugium des Wohlbefindens zu verwandeln, an dem die Zeit langsamer vergeht und die Sinne in einer Verbindung aus marokkanischem Erbe und italienischem Feingefühl neu erwachen“, erläutert der Planer Fabio M. Mariotto, Gründer des Studios ADEL, und führt weiter aus: „Das vorrangige Ziel war es, einen Rückzugsort für die Seele zu schaffen, in einer fließenden Abfolge intimer Räume: vom Patio mit seinem Wasserbecken über die von Lichtspielen geprägten Suiten und den Spa-Bereich mit Pool und Hammam bis hin zur Panoramaterrasse auf dem Dach. Der Wunsch der Bauherrschaft war es, ein Ambiente von zurückhaltendem Luxus zu schaffen, das die historische Authentizität hervorhebt, die geschützte Seele des Palastes bewahrt und sie zugleich zu einem regenerierenden Erlebnis werden lässt“.

Im Mittelpunkt des Projekts stand die Suche nach dem richtigen Gleichgewicht zwischen europäischer Gestaltung und nahöstlicher Formensprache – ein Prozess, bei dem der Dialog mit dem Genius Loci im Vordergrund stand: „Wir haben die kunstvoll gearbeiteten Bögen, die Säulen aus Naturstein und die Moucharabiehs, die das Licht filtern, bewahrt und ihnen zugleich die minimalistische Klarheit des italienischen Designs verliehen. Dies zeigt sich etwa in den komfortablen Sofas, die im Patio zum Verweilen einladen, und in den weichen Texturen, die an lokale Seiden und Stoffe erinnern. Es war ein Akt der Liebe, geprägt von harmonischen Kontrasten: europäische Strenge trifft auf den ornamentalen Reichtum der arabischen Kultur und verwandelt die Lebendigkeit der Medina in die Ruhe einer Oase, in der jede Kurve von alten Geschichten erzählt und zugleich fest in der Gegenwart verankert ist“, so der Planer abschließend, der bei dem Projekt auch mit der Interior Designerin Corinne Dressler zusammenarbeitete.

In diesem Kontext spielte auch die Auswahl der Materialien eine entscheidende Rolle. Besonders hervorzuheben sind die großformatigen Keramikplatten von Laminam aus den Serien Seta, Ossido und Fluidosolido, die in den Gemeinschaftsbereichen und den Suiten verlegt wurden. Ihre Beigetöne erinnern an die Farben der Erde und der marokkanischen Wüste, während die grünen Nuancen die Vegetation der Oasen aufgreifen. Gerade die Vielseitigkeit des Materials war einer der entscheidenden Faktoren, die die Planer von seiner Wahl überzeugten: „Die Laminam-Platten wurden aufgrund ihres Charakters ausgewählt, den ich als ‚chamäleonartig‘ bezeichnen würde, denn sie fügen sich harmonisch in die traditionellen Texturen des Riads ein und schaffen Böden und Oberflächen, die die erdige Essenz Marokkos einfangen, ohne die historische Bausubstanz zu beschweren. Sie sind das pulsierende Herz des Projekts: dünn und widerstandsfähig sowohl gegen die Feuchtigkeit des Spa-Bereichs als auch gegen die unerbittliche Sonne, italienisch in ihrem Perfektionsanspruch und zugleich so vielseitig wie ein Souk. So wird der Riad zu einer kulturellen Symbiose, in der Keramik nicht nur Oberfläche, sondern eine lebendige Erzählung ist“, schließt Mariotto.