Alternative Einsatzbereiche für Keramik in den eigenen vier Wänden | von Livio Salvadori

Aktuell erhältliches Keramikmaterial ist das Ergebnis eines ständigen Forschungs- und Innovationsprozesses der italienischen Keramikindustrie. Das gilt für die Verfahrenstechnik genauso wie für die Produktarten, die konstante Optimierung der technischen Leistungsmerkmale zur Weiterentwicklung bautechnischer Aspekte wie Optik, Materialbeschaffenheit und Kombination, Formen, Dicken, Großformate, Oberflächen, Finish, Farben und Dekore und nicht zuletzt neue Verlegetechniken.
Eine fortlaufende Evolution, aus der extrem interessante Projekte hervorgehen.

Im Wohnungsbau setzen sich vermehrt Platten mit 20 mm oder mehr Überstärke durch. Sie dienen für die Errichtung von Stufen und Terrassenausbauten, Gärten und externe Laufwege oder auch als Tops für Küchen. Ähnlich geht es Platten mit geringer Dicke bis zu 3 mm, die als Verkleidung für Funktions- und Arbeitsflächen auf Tischen und Möbeln dienen. Aber auch Türen, Wände und Bauvolumen sind Einsatzgebiete für dieses Material wie auch Sanierungsobjekte, wo dieses Material besonders interessant und kostensparend ist, weil es direkt auf den vorhanden Boden verlegt wird und so die Kosten der Abtragung des alten Untergrundes spart. Für den Innenausbau stehen modulare Produkte und Systeme zur Wahl, deren Oberflächen auch taktile 3D Effekte oder Materialkombinationen aufweisen. Sie unterstützen bei der individuellen Gestaltung der Wohnräume durch einfache Maßnahmen wie die Hervorhebung einer Wand, eines Volumens, einer Nische, einer Säule, einer unebenen Fläche, eines Türrahmens, der Einfassung eines Kamins…

Anspruchsvolle Bauherren mit hohen hygienischen Anforderungen können nun unter Fliesen wählen, die antibakterielle, bioaktive, fotokatalytische und geruchsabweisende Ausführungen bieten, die bis zu 99,9% der Hauptbakterienstämme abschlagen und damit Fliesenbeläge zu einer sicheren und gesunden Nutzfläche machen.

Modernes Keramikmaterial interpretiert diese Anwendungen weitläufig und differenziert mit innovativen Lösungen. Damit verschiebt sich die Aufmerksamkeit vom Produkt auf das Projekt und nutzt Eigenschaften wie Modulaufbau, Flexibilität und individuellen Gestaltungsfreiraum. Heute werden keine Einzelfliesen in unterschiedlichen Größen mehr angeboten, sondern Verlegemuster oder quer denkende Lösungsansätze. Durch den Dialog mit anderen Kollektionen oder die Kombination mit anderen Werkstoffen aus Metall, Glas, Holz usw. entstehen interessante geometrische Strukturen mit einer breiten Farbauswahl. Zur Wahl stehen nicht mehr Produkte und Serien, sondern regelrechte Projektkonzepte mit räumlichen Interpretationen, expressiven Lösungen, sensorischen Visionen, Atmosphären und Suggestionen für einen individuellen Lebensstil.

Fliesen werden zu Architekturflächen, die Raum gestalten und neue Wohnkonzepte verwirklichen.

 

März 2019