Cersaie 2026 hat die Zukunft keramischer Oberflächen geprägt
(Oktober 2026) – Eine der tragenden Säulen der diesjährigen Ceramics of Italy-Kollektionen ist die FARBE. Sie wird zum Bestandteil einer neuen Gestaltungsgrammatik des Wohlbefindens in den eigenen vier Wänden. Farbe ist nicht mehr nur ein dekoratives Element, sondern wird zu einer Art „atmosphärischem Material“, das die Wahrnehmung des Raumes, die Beziehung zum Licht und sogar die Art und Weise verändern kann, wie ein Raum erlebt wird.
Das Farbkonzept der italienischen Keramikindustrie ist breit gefächert und vielschichtig. Es ist das Ergebnis eingehender Untersuchungen zu Material, Licht und Glasuren. Die Farbpalette erweitert sich erheblich. Selbst innerhalb derselben Farbfamilie ermöglicht der gekonnte Einsatz von Glasuren unterschiedliche Intensitäten und verleiht den Oberflächen eine besondere visuelle und haptische Tiefe.
Besonders vielfältig sind die Grüntöne, die emotionale Stabilität vermitteln und sich in ihren zahlreichen Nuancen an der Natur orientieren – von Wildkräutern bis hin zu Thermalgewässern. Jeder Farbton erinnert unmittelbar an eine Landschaft, jede Fliese erzählt von Orten und Erinnerungen.
Neben hochglänzenden Oberflächen stehen auch matte Ausführungen im Mittelpunkt. Die Farben werden emotionaler und weicher, sowohl bei kleinen Formaten als auch bei großformatigen Platten.
Kräftige, energiegeladene Primärfarben stehen neben einer warmen, umhüllenden Palette von Pastelltönen. Dabei handelt es sich nicht um kindlich anmutende Farben, sondern um komplexere, pudrige und sanfte Nuancen, die ein Gefühl von Geborgenheit vermitteln und eine neue Vorstellung von visuellem Komfort ausdrücken: weniger streng, dafür umso einladender.
Die zweite tragende Säule der neuen Ceramics of Italy-Kollektionen ist das MATERIAL, das zum prägenden Ausdruck des zeitgenössischen Wohnens wird. Das Zuhause ist nicht länger ein perfekter Innenraum, der vor allem für Fotografien geschaffen wurde, sondern ein lebendiger Ort, der Geborgenheit bietet, schützt, die Persönlichkeit seiner Bewohner widerspiegelt und Begegnungen ermöglicht.
Der Schwerpunkt verlagert sich daher vom „Wow-Effekt“ hin zur alltäglichen Qualität. Die Keramikfliese wird zur gestalterischen Sprache, zum erzählerischen Element und zum Instrument, das Innenräumen eine unverwechselbare, stark personalisierte Identität verleiht und zugleich Intimität und emotionale Tiefe schafft.
Auf der Suche nach Verwurzelung entstehen zahlreiche Materialinterpretationen in den kräftigen Farben der Natur, von Erdtönen bis zu getrockneten Blättern.
Keramische Terrakotta zeichnet sich durch bewusst unregelmäßige Texturen aus, deren materieller Rhythmus an handwerkliche Qualität erinnert. Die zeitgenössische Interpretation von Kunstharzoberflächen wird dagegen durch die Spuren des Spachtels geprägt, mit dem das Material verstrichen wird.
Keramik erzählt auch von ihrer Herkunft und ihrem Territorium. Ihre Inspiration schöpft sie aus den Farben der Böden rund um den Produktionsstandort und vermittelt so ein Gefühl von Zugehörigkeit, Erinnerung und handwerklicher Tradition. Die ursprüngliche Kraft der Lava und die leuchtende Tiefe der Glasuren, geprägt von Spuren der Ablagerung, Erosion und Sedimentation, machen die Entwicklung der Materie sichtbar.
Keramischer Cocciopesto schafft mit seinen Schattierungen und sanften wellenförmigen Unebenheiten feine Ton-in-Ton-Übergänge und vermittelt eine behagliche, einladende Atmosphäre. Zementartige Terrakotta-Effekte knüpfen hingegen an die etruskische Tradition an, in der helle Tone eine weiche, natürlich dezente Wirkung erzeugen.
Die Neuinterpretation traditioneller Materialien zeigt sich auch in Terrazzo-Optiken mit ihrer reichen Materialwirkung und ihren mehrfarbigen Einschlüssen sowie in keramischen Oberflächen, die das Erbe von Terrakotta und handwerklich bearbeitetem Ton aufgreifen. Unregelmäßig verteilte Steinfragmente und kleine Kiesel treten dabei aus der Oberfläche hervor.
Keramik in Betonoptik interpretiert Oberflächen, die von Gebrauch und Zeit gezeichnet sind. Details und mehrfarbige Einschlüsse treten hervor wie Spuren eines fortlaufenden Veränderungsprozesses. Keramik erinnert auch an alte Natursteine mit unregelmäßigen mineralischen Einschlüssen oder bringt neuartige Materialkombinationen hervor, bei denen Marmorfragmente in halbtransparentem Kunstharz auftauchen und wieder verschwinden. Sie wirken wie schwebende Elemente, die in unterschiedlichen Tiefen übereinanderliegen und zu einem neuen Gleichgewicht zusammengefügt werden.
Eine Neuheit dieses Jahres ist die keramische Palladiana-Verlegung. Sie greift die unregelmäßige Verlegung von Steinplatten auf, wie sie für Wege und Außenbeläge aus Schiefer und Quarzit typisch ist. Die Elemente mit unregelmäßigen Konturen greifen wie ein keramisches Puzzle ineinander, während die Fugen dem natürlichen Verlauf des Steins folgen. Dabei handelt es sich selbstverständlich um ein sorgfältig kalkuliertes Chaos, das die Einzigartigkeit jeder einzelnen Fliese hervorhebt und die Palladiana-Verlegung zu einem architektonischen Gestaltungselement macht. Das Zusammenspiel von Fragmenten, Texturen und Farbabstufungen verändert sich ständig und erzeugt immer neue grafische Kompositionen, die dem Raum Energie verleihen.
Auf der Suche nach Authentizität interpretiert Keramik in Kalksteinoptik die kompakte, ausgewogene Struktur des Kalksteins mit einer ausdrucksstarken, detailreichen Oberflächengrafik neu. Fossile Spuren, feine Adern und Einschlüsse schaffen dabei räumliche Tiefe. Keramik in Sandsteinoptik vermittelt mit ihren unregelmäßigen Strukturen und pudrigen Farbabstufungen ebenfalls die visuelle Authentizität des Natursteins.
Besonders eindrucksvoll ist die Interpretation der Breccia Laurentina, eines seltenen Renaissance-Steins mit nahezu malerischem Charakter. Sie geht über eine einfache Oberflächendekoration hinaus und bildet die Sedimentation und Bewegung der Mineralien innerhalb des Materials auf kontrollierte Weise nach.
Die Keramikfliese ist ein modulares Element, dessen geometrische Proportionen harmonische Kompositionen ermöglichen, die an Fraktale erinnern. Dabei handelt es sich um geometrische Objekte, deren Strukturen sich in der Natur auf unterschiedlichen Maßstabsebenen selbstähnlich wiederholen.
So eröffnet Keramik neue Formen und KOMPOSITORISCHE GESTALTUNGSMÖGLICHKEITEN mit ausgeprägter materieller Wirkung. Diese Produkte verbinden die Vielfalt handwerklicher Traditionen mit einem ausgeprägten gestalterischen Potenzial und eignen sich insbesondere für den Hospitality-Bereich und das hochwertige Wohnen. Innovative Geometrien überwinden die Gleichförmigkeit herkömmlicher Verlegemuster und eröffnen neue gestalterische Möglichkeiten.
Keramik scheint sich von molekularen Formen inspirieren zu lassen, die weiche, dynamische Konturen bilden und beinahe zwischen Geometrie und Natur zu schweben scheinen. Ein einzelnes Element verändert seine Wirkung vollständig, sobald es sich auf einer Wand vielfach wiederholt. So entsteht eine skulpturale Oberfläche mit durchgehenden, ausgesprochen ausdrucksstarken Kompositionen, in denen Volumen, Licht und Farbe gemeinsam den Raum definieren.
Die Natur wird zu einem visuellen Archiv: Fossilien aus Land und Meer, organische Spuren, Hohlräume und Reliefs erscheinen als Zeugnisse eines geologischen Gedächtnisses und erinnern an die Prozesse von Erosion, Ablagerung und Veränderung, die Materialien im Laufe der Zeit prägen.
Keramik eignet sich besonders gut für geometrische Kompositionen. Das Mosaik wird dabei zu einem System aus verschiedenen modularen Formaten, die sich mit großer gestalterischer Freiheit miteinander kombinieren lassen. Doch auch innerhalb der einzelnen Fliese entsteht Komposition: Material, Licht und Rhythmus verschmelzen durch Flechtmuster, geometrische Formen, metallische Details und edle Felder aus glänzender Glasur, inspiriert vom Art déco. Damit geht das Mosaik über seine rein ornamentale Funktion hinaus und wird zu einem eigenständigen Element der architektonischen Formensprache, in der Material, Farbe und Dekoration auf natürliche Weise miteinander in Dialog treten.
Keramikformate, die nur auf den ersten Blick unregelmäßig erscheinen, nutzen ihre Modularität in besonderem Maße und ermöglichen äußerst wirkungsvolle Verlegemuster.
In keramischen Mustern lässt sich auch ein dezenter orientalischer Einfluss erkennen. Die Tatami-Matte aus Reisstroh und Binsen, die seit Jahrhunderten als grundlegende Maßeinheit der japanischen Wohnkultur gilt, wird durch die Forschung an keramischen Materialien, Glasuren, Licht und haptischer Wahrnehmung neu interpretiert. Die Verarbeitung erzeugt eine überraschende materielle Wirkung und entwickelt dank der Einfassungen, die die Webstruktur betonen, auch eine eigenständige kompositorische Gestaltungsgrammatik.
Bei den orientalischen Einflüssen und dem Wohlbefinden im Wohnraum begegnet man neben Feng Shui und Kintsugi auch dem Wabi-Sabi, das die Schönheit des Unvollkommenen feiert. Diese Philosophie findet ihren Ausdruck in Fliesen mit ausgeprägt handwerklichem Charakter und bewusst kontrollierten Unregelmäßigkeiten, bei denen selbst das scheinbar Fehlerhafte gewollt ist.
Im Laufe der Geschichte fand auch in der westlichen Architektur die Geometrie nach bestimmten Vollkommenheitsprinzipien breite Anwendung. Ziel war es, die Harmonie der Natur widerzuspiegeln, Besinnung und Innenschau zu fördern und Licht, Proportionen und Stille miteinander in Beziehung zu setzen.
So werden antike Symbole zu einer Inspirationsquelle für die italienische Keramikindustrie. Sie finden sich im keramischen Terrazzo, in dem Geometrie, Licht und Material nach dem Vorbild der Kassetten in der Kuppel des römischen Pantheons in perfektem Gleichgewicht stehen. In eingravierten Zeichen entsteht durch die Neuinterpretation der Vertiefungen skandinavischer Runen ein visuelles Alphabet. Reliefs greifen die Formen der Spitzbogenfenster gotischer Kathedralen auf, während Gravuren, die an die alten Zivilisationen Mesopotamiens erinnern, durch die Wiederaufnahme überlieferter Gesten die Fliesen in reduzierte skulpturale Oberflächen verwandeln. So kann italienische Keramik unterschiedlichsten Räumen einen monumentalen Charakter verleihen – vom urbanen Raum bis hin zu Projekten im Contract-Bereich.
Wenn das Zuhause durch Farbe und Material zu einem Rückzugsort für die Seele wird, lässt das LICHT die Räume aufatmen. Mit einer nahezu unendlichen Vielfalt an Fliesen in hellen, leuchtenden Farbtönen trägt italienische Keramik dazu bei, Räume optisch großzügiger wirken zu lassen und der Architektur eine besondere Leichtigkeit zu verleihen.
Die Palette der Neutraltöne erweitert sich erheblich, doch die Farbtöne wirken zunehmend weniger kühl. Sie vermitteln eine intensiver wahrnehmbare Wärme und eine besonders intime Farbatmosphäre. Fliesen erinnern an die abstrakte Stimmung von Steinbrüchen, mit einer Mischung aus Beton und Sand, die durch unerwartete Lichtreflexe belebt wird. Strukturierte Rillen reagieren auf das wechselnde Spiel von Licht und Schatten, Glasuren bringen kleinformatige Wandfliesen zum Leuchten und großformatige Platten aus weißscherbiger Keramik schaffen elegante Wandverkleidungen.
Keramik in Marmoroptik schöpft ihre Inspiration aus dem kostbaren Marmor des Taj Mahal und seinen mondbeschienenen Spiegelungen im Wasser, die durch hochglänzende Oberflächen nachempfunden werden. Kalksteininterpretationen wie die Pietra Lias, die über Jahrhunderte hinweg in der europäischen Architektur für Kathedralen, Monumentalbauten und historische Ortskerne verwendet wurde, zeigen sorgfältig abgestimmte Schichtungen mineralischer Details, visuelle Tiefe und feine grafische Variationen.
Matte mineralische Grundflächen treten mit glänzenderen Partien in einen Dialog. Kompakte, samtige Bereiche wechseln sich mit leuchtenden Details ab, die aus der Tiefe des Materials hervorzutreten scheinen. Feinsteinzeug greift zudem die Spuren der Verwandlung von Stein durch das Meer auf.
Das Angebot italienischer Keramik ist außerordentlich reichhaltig und vielfältig. Die Ceramics of Italy–Kollektionen ermöglichen es, dreidimensionale architektonische Elemente mit anderen keramischen Materialien zu kombinieren und so neue Gestaltungsvarianten zu entwickeln. Sie eröffnen vielfältige kompositorische und kreative Möglichkeiten. Unterschiedliche Oberflächen lassen sich miteinander kombinieren und gehen dabei weit über die Funktion eines reinen Wand- oder Bodenbelags hinaus. So entstehen Räume mit eigener Identität, einer besonderen Atmosphäre und einem Höchstmaß an Individualisierung.
Die Kollektionen werden damit zu umfassenden Gestaltungssystemen, in denen Materialien, Farben, Texturen und Strukturen frei miteinander interagieren. Sie bieten Architekten und Interior Designern ein Instrument, mit dem sich jede Idee in einen persönlichen, stimmigen Raum verwandeln lässt – auf der Grundlage einer offenen und dynamischen kompositorischen Sprache.
Das Zuhause ist wie ein maßgeschneidertes Kleidungsstück für die Seele. Keramik gehört zu den Elementen, die dazu beitragen, seinen Charakter und seine Persönlichkeit zu bestimmen. Durch Oberflächen, Farben und Texturen nimmt das Gestaltungskonzept Form an und wird zum Ausdruck von Emotionen, Atmosphären und Empfindungen. Es interpretiert die Identität und das Wesen der Menschen, die diese Räume bewohnen.
Denn wahrer Luxus bedeutet heute, in Harmonie zu leben.
Hier das Video der Präsentation der neuen Trends, die auf der internationalen Pressekonferenz von Ceramics of Italy auf der Cersaie stattfand.























































