Editorial Kommentare

Cersaie – so international wie sein Kulturprogramm | von Andrea Serri
(September 2026) – Eine Woche lang kommen Fachleute entlang der weltweiten Wertschöpfungskette der Keramik- und Badausstattungsbranche nach Bologna, um an der Cersaie teilzunehmen und die Messe zu erleben. Seit 42 Jahren ist die Cersaie international ausgerichtet und bestätigt dieses Profil auch in ihrer Ausgabe 2026: Mit 234 ausländischen Ausstellern – 39 % aller Aussteller – aus 23 Ländern bekräftigt sie ihre Rolle als Treffpunkt, an dem die Welt zusammenkommt. Im Mittelpunkt stehen neue Produkt- und Anwendungskonzepte, ästhetische Trends und neue Einsatzbereiche sowie die wachsende Zahl neuer Berufsgruppen und Fachbereiche, die die Cersaie zunehmend besuchen und unter anderem in der Immobilienwirtschaft, im Möbel- und Interior-Design sowie bei der Gestaltung von Outdoor- und Wellnessbereichen tätig sind.
Cersaie steht auch für Kultur, und auch diese Dimension zeichnet sich durch eine hochkarätige internationale Ausrichtung aus. Der Chilene Alejandro Aravena ist der 14. Pritzker-Preisträger, der an der Cersaie teilnimmt. Am Donnerstagmorgen, dem 24. September, hält er eine Lectio Magistralis. Zehn Jahre nach der Verleihung des als Nobelpreis der Architektur geltenden Pritzker-Preises, dessen Jury er inzwischen auch als Präsident vorsteht, erläutert Aravena seine Interpretation des architektonischen Raums und dessen Verhältnis zur Natur.
Ebenfalls am Donnerstag erläutert die New Yorker Architektin Annabelle Selldorf den Teilnehmern der Cersaie, was sie unter einem humanistischen Planungsansatz versteht: die Fähigkeit, Räume und Dimensionen ausgehend von den Menschen zu definieren, die darin leben, arbeiten und den unterschiedlichsten Tätigkeiten nachgehen. Das Verständnis ihrer tatsächlichen Bedürfnisse ist eine wesentliche Voraussetzung dafür, die Wohn- und Lebensqualität auf höchstem Niveau zu gewährleisten.
Die Linie 2 der Turiner Metro ist ein italienisches Projekt, setzt im Bereich des Verkehrs jedoch internationale Standards – wie es sich für die Infrastruktur einer Stadt von Weltrang gehört. Gerade die glokale Dimension dieses Projekts bildet den Ausgangspunkt für die Überlegungen, die am Mittwoch, 23. September, im Auditorium The Square der Cersaie von der interdisziplinären Unternehmensgruppe vorgestellt werden, die an der Realisierung des Bauwerks beteiligt war.
Eine ebenso internationale Perspektive prägt die Beiträge der 13 jungen italienischen Architekturbüros, die eingeladen wurden, ihre aktuellen Bauvorhaben, Projekte und konzeptionellen Arbeiten vorzustellen. Bei genauerer Betrachtung entspricht auch dies einer globalen Vision, denn die Fähigkeit, das Beste, was weltweit entsteht, nach Italien zu bringen, angemessen neu zu interpretieren und in den jeweiligen Kontext einzubetten, gehört ebenfalls zu den Aufgaben, die an die jüngeren Generationen gestellt werden. Die für Freitag, den 25. September, geplante „Lezione alla Rovescia“ (umgekehrte Vorlesung) von Francesco Faccin möchte ihnen durch einen generationenübergreifenden Dialog neue Perspektiven eröffnen – einen Dialog, der stets unerlässlich ist, um die Zukunft zu verstehen.
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