Es waren die Jahre von Ettore Sottsass, Achille Castiglioni und Enzo Mari. Jahre, in denen die italienische Industrie wuchs und kontinuierlich neue Produkte für den Wohnbereich hervorbrachte, deren Schönheit, formale Stimmigkeit und Funktionalität dem Gestalt verliehen, was wir heute als Made in Italy bezeichnen. Es waren die Jahre, in denen die italienische Industrie Planer und Architekten – der Beruf des Designers entstand in eben jener Zeit – dazu aufforderte, sich unmittelbar mit der industriellen Produktion auseinanderzusetzen und Objekte zu entwerfen, die in Serie hergestellt werden konnten, ohne dabei auf die Schönheit jener handwerklichen Kultur des fatto bene, des „Gutgemachten“, zu verzichten, die Italien seit Jahrhunderten prägt.
Auf Anfrage der Herausgeber des Buches beteiligte sich Confindustria Ceramica an der Initiative und stellte Material über Sergio Asti aus dem eigenen Dokumentationszentrum zur Verfügung. Der Designer arbeitete im Laufe seiner Karriere in den unterschiedlichsten Bereichen: von Tafelgeschirr und Beleuchtung über Automobildesign und Haushaltsgeräte bis hin zu Messegestaltungen, Gebäuden, Möbeln aller Art, Sanitärkeramik und Schmuck. Darüber hinaus entwarf er keramische Wandbeläge für Cedit, Gabbianelli und Ceramiche Ragno.
Die Beziehungen zwischen der italienischen Keramikindustrie und Sergio Asti beschränken sich jedoch nicht auf die zahlreichen von ihm entworfenen Fliesen, von denen einige im Dokumentationszentrum der italienischen Keramikfliesenindustrie aufbewahrt werden. Sie umfassen auch seine Teilnahme an einer bedeutenden Tagung, die 1984 auf der Cersaie unter dem Titel Il Decoro Ceramico: superfici e ambiente („Keramisches Dekor: Oberflächen und Raum“) stattfand und an der weitere bedeutende Meister des italienischen Designs teilnahmen, darunter Bruno Munari. Bei dieser Gelegenheit erläuterte Asti, was er unter Dekor und insbesondere unter keramischem Dekor verstand. Seine Worte lauteten: „Bei mehr als einer Gelegenheit wurde festgestellt, dass in der Vergangenheit das ‚Dekor‘ trotz seiner Eigenständigkeit lange Zeit als Nebenprodukt der bildenden und plastischen Künste betrachtet wurde … Seit einiger Zeit hingegen … wird dem ‚Dekor‘ eine eigene Autonomie in der Forschung zuerkannt, indem seine Ursprünge untersucht und seine Unabhängigkeit von Malerei oder Bildhauerei anerkannt werden …“ Weiter führte er aus: „Doch kehren wir zum keramischen Produkt zurück, zum Dekor, zur Oberfläche, zu den Räumen. Gerade bei Letzteren möchte ich verweilen, denn ich halte es nicht für möglich, keramisches Dekor als eine rein grafische Übung zu interpretieren, die mithilfe bestimmter Techniken und Technologien in ein Produkt übertragen wird. Entscheidend ist die Möglichkeit, das Produkt in drei Dimensionen einzusetzen, also die Möglichkeit, einen Raum zu erleben oder zu genießen.“
Der von Rosa Chiesa und Alessandro Zannoni herausgegebene Band enthält eine umfangreiche Auswahl von Sergio Astis Projekten. Schon beim schnellen Durchblättern der zahlreichen Abbildungen erhält man einen präzisen Eindruck davon, welchen Beitrag dieser produktive Mailänder Architekt zum italienischen Industriedesign geleistet hat. Im Laufe seiner Karriere erhielt er zahlreiche Preise und Auszeichnungen, darunter 1962 einen Compasso d’Oro für die Vase Marco.
Der 1926 geborene Sergio Asti konnte das außerordentlich produktive und kreative Mailand der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts unmittelbar erleben und lernte bedeutende Persönlichkeiten aus Architektur und Design kennen, von Gio Ponti und Bruno Munari bis zu Achille Castiglioni und Ettore Sottsass. Schließlich wurde er selbst zu einem Teil jenes großartigen Mosaiks, das das Beste des Mailänder und italienischen Designs des 20. Jahrhunderts verkörpert.
Si informa che questo sito utilizza cookie, anche di terze parti, al fine di analizzare il traffico sul sito e personalizzare i contenuti e gli annunci più adatti a te.
Cookie Policy