(September 2026) – Openfabric versteht Landschaftsplanung als strategisches Instrument, um Städte und Territorien neu zu denken. Die Projekte des Büros integrieren Natur in das städtische Gefüge, um Biodiversität zu fördern, ökologische Korridore zu schaffen und das Wohlbefinden der Stadtbevölkerung zu verbessern. Die jüngsten Projekte reichen von großmaßstäblichen urbanen Landschaftsstrategien über historische Parkanlagen bis hin zu internationalen Regenerationsprojekten. Darüber sprachen wir mit dem Gründer Francesco Garofalo.
Openfabric wurde in Rotterdam gegründet. Wie hat sich das Büro im Laufe der Jahre entwickelt?
Openfabric wurde 2011 in Rotterdam gegründet und später um einen Standort in Mailand sowie, vor Kurzem, in Genua erweitert, das zunehmend zu unserem wichtigsten Bezugspunkt wird. Dort bin ich aufgewachsen, und die Stadt durchläuft derzeit eine sehr interessante Phase der Transformation. Von einer Wiedergeburt zu sprechen, wäre vielleicht noch verfrüht, aber Genua bietet neue Möglichkeiten. Gerade deshalb haben wir uns entschieden, auch dort unsere planerische Arbeit zu verankern.
Von Anfang an war das Büro jedoch international ausgerichtet. Wir arbeiten gleichzeitig in sehr unterschiedlichen Kontexten und identifizieren uns nicht mit einer bestimmten Geografie. Unsere Identität entsteht aus der kontinuierlichen Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Städten, Landschaften und Kulturen. Genau das prägt unsere Art zu entwerfen.
Welche „Idee von Landschaft“ bestimmt Ihre Arbeit?
Für uns ist Landschaft keine spezialisierte Disziplin, sondern ein Schlüssel zum Verständnis der Stadt. Architektur, Städtebau und Landschaft sind Teil desselben Prozesses und können nicht getrennt voneinander betrachtet werden.
Es geht uns nicht darum, einen Park als isoliertes Einzelprojekt zu entwerfen. Jeder Eingriff ist Teil einer Strategie, die das gesamte Territorium betrifft. Die Landschaft wird zur Infrastruktur, mit der sich Themen wie Klimawandel, Biodiversität, Mobilität und die Qualität des öffentlichen Raums bearbeiten lassen.
Ein Projekt wie der Grünplan von Mantua verfolgt genau diesen Ansatz. Er ist kein Katalog einzelner Maßnahmen, sondern eine langfristige Vision, die die ökologische Struktur der Stadt durch einen neuen, mehr als 115 Hektar großen Grünkorridor und ein Netz von rund hundert Kilometern baumbestandener Straßen neu definiert.
Grünplan von Mantua (Openfabric)
Sie arbeiten mit derselben Selbstverständlichkeit im städtebaulichen Maßstab wie auf der Detailebene.
Ich glaube, das ist eines der Merkmale, die Openfabric am besten charakterisieren. Wir wechseln kontinuierlich von der Entwicklung einer territorialen Strategie zum Entwurf eines Bodenbelags, denn beides sind Aspekte desselben Projekts. Die Qualität eines Ortes hängt ebenso von der übergeordneten Vision wie von der Präzision ab, mit der die Details gelöst werden.
Hafen von Rotterdam (Openfabric)
Das zeigen sehr unterschiedliche Projekte. In Rotterdam haben wir mit Archipelago of Knowledge eine neue Beziehung zwischen Hafen und Stadt entwickelt: ein System von Inseln, das Ökologie, Waterfront und öffentlichen Raum wieder miteinander verbindet. In Genua wird mit der Green Strategy das Grün zur tragenden Struktur der städtischen Transformation, während die Umwandlung des ehemaligen Industrieareals Ex Marconi in Sestri Ponente neuen öffentlichen Raum schafft und neue Verbindungen zum Erzelli-Gebiet herstellt. In all diesen Fällen ist das Projekt nicht der Endpunkt, sondern ein Instrument, das einen Transformationsprozess in Gang setzt.
Genova Green Strategy (Openfabric)
Gilt das auch für den neuen Park der Reggia di Rivalta?
Absolut. Der 2025 eröffnete Park der Reggia di Rivalta entstand aus der Wiederherstellung eines historischen Gartens. Unser Ziel bestand jedoch nicht darin, ein Bild der Vergangenheit zu rekonstruieren. Wir wollten ihn in eine große zeitgemäße öffentliche Infrastruktur verwandeln, die historisches Erbe, Landschaft und neue Formen der Aneignung des Freiraums miteinander verbindet.
Ein Projekt muss heute in der Lage sein, unterschiedliche Zeithorizonte zusammenzuführen: Es muss auf die Bedürfnisse der Gegenwart reagieren und gleichzeitig die Voraussetzungen für künftige Veränderungen schaffen.
Reggia di Rivalta, Reggio Emilia (Openfabric Caarpa FM Ingegneria Giuseppe Baldi). Foto: Bruno Cattani.
In Ihren Projekten spielt das Thema der ökologischen Korridore häufig eine zentrale Rolle.
Weil sie zu den wirksamsten Instrumenten gehören, um fragmentierte Territorien wieder miteinander zu verbinden. Ein ökologischer Korridor ist kein formales Element, sondern eine Struktur, die Lebensräume, Menschen und Landschaften miteinander verknüpft.
Er kann mit einem Fluss zusammenfallen, wie entlang des Mincio in Mantua, mit einem Waldsystem oder auch mit einer einfachen baumbestandenen Allee. Seine Aufgabe besteht darin, ökologische Kontinuität zu schaffen und gleichzeitig die Qualität des städtischen Raums zu verbessern.
Deshalb sprechen wir lieber von grünen Infrastrukturen. Dabei handelt es sich nicht einfach um Radwege oder bepflanzte Flächen, sondern um Systeme, die das Territorium strukturieren und seine Entwicklung lenken können.
Wie reagieren die öffentlichen Verwaltungen auf diesen Ansatz?
In den vergangenen Jahren ist eine zunehmende Sensibilität zu beobachten. Wir werden immer häufiger einbezogen, weil die Verwaltungen nach einer strategischen Vision für den öffentlichen Raum suchen.
In Mantua beispielsweise wurde unsere Arbeit nach dem Grünplan mit der Neugestaltung der Via Mazzini fortgesetzt, die in einen urbanen Grünkorridor verwandelt wurde. Ähnliche Erfahrungen haben wir in den Niederlanden, in Tirana und in anderen Kontexten gesammelt, in denen Landschaft als wesentliche Infrastruktur für die Stadtentwicklung verstanden wird.
Wie wichtig ist die Einbindung der lokalen Gemeinschaften?
Sie ist unverzichtbar. Der öffentliche Raum gehört den Bürgerinnen und Bürgern, und ein Projekt kann nicht ohne ihre Einbindung auskommen. Beobachten, verstehen und Bedürfnisse erfassen sind grundlegende Bestandteile unserer Arbeit.
Zuhören bedeutet jedoch nicht, auf die Rolle des Planers zu verzichten. Beteiligung schafft Wissen, Planung erfordert Synthese. Unsere Aufgabe besteht darin, oft sehr unterschiedliche Bedürfnisse in eine kohärente Vision zu übersetzen.
An welchen Projekten arbeiten Sie derzeit?
Zu den bedeutendsten zählt das neue Ospedale Maggiore und Ospedale dei Bambini in Brescia, das gemeinsam mit Park Associati, CRA – Carlo Ratti Associati, Politecnica Building for Humans und den weiteren Partnern des Teams entwickelt wird.
Das Projekt versteht den Krankenhauscampus als neue öffentliche Infrastruktur, in der Gesundheitsversorgung, Forschung, Ausbildung und Landschaft zu einem einzigen System werden. Unser Beitrag besteht in der Landschaftsstrategie des Green Ring: einem durchgängigen Netz aus therapeutischen Gärten, öffentlichen Räumen und ökologischen Verbindungen, das das One-Health-Prinzip räumlich übersetzt, dem zufolge die Gesundheit des Menschen und die Gesundheit der Umwelt untrennbar miteinander verbunden sind.
Neues Krankenhaus von Brescia (Park Associati, Carlo Ratti Associati, Openfabric, Politecnica, Dotdotdot, Studio Mattioli).
Welche Rolle spielen Materialien in Ihren Projekten?
Für uns stehen Materialien nicht am Ende des Planungsprozesses, sondern sind integraler Bestandteil des Projekts. Wir versuchen, standardisierte Lösungen zu vermeiden, und arbeiten, wann immer möglich, direkt mit Unternehmen zusammen, um Materialien und Details speziell für den jeweiligen Ort zu entwickeln.
Keramik ist ein Material, das mich sehr interessiert. Sie ist aus Erde entstanden und bewahrt eine tiefe Verbindung zum Territorium. Wie Holz oder Stein besitzt sie eine starke Ausdruckskraft und kann dazu beitragen, die Identität eines Raums zu prägen.
Ein Material ist niemals nur eine technische Lösung. Es verleiht einem Projekt Tiefe, bestimmt seinen Charakter und schafft die Beziehung zwischen Architektur, Landschaft und der Erinnerung eines Ortes. Es ist gerade diese narrative Dimension – noch vor den rein technischen und funktionalen Eigenschaften –, nach der wir weiterhin suchen.
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